Zum 50-jährigen Bestehen der »Genossenschaft Kreuz« in Solothurn erschien der Roman »Ein paar junge Leute haben es satt zu warten auf das Ende der blossen Vermutung dass es bessere Formen menschlicher Gemeinschaft gibt«, der 1978 die Entstehungsgeschichte dieses Pionier-Unternehmens nacherzählte, im April 2023 in einer Neuauflage, erweitert um das Referat des Autors zur Eröffnung einer Tagung über die Zukunft genossenschaftlicher Selbstverwaltung als gesellschaftspolitisches Programm im Mai 1996 und mit einem Nachwort von Sascha Britsko, die als Journalistin der Frage nachgegangen ist, wie viel vom Geist des damaligen Experiments nach einem halben Jahrhundert noch präsent ist.
Was lange währt
Vor einem halben
Jahrhundert (ich zitiere
aus dem Gedächtnis)
befand Erich Fried:
»Ich fühle mich ganz gut,
das heisst, ich fühle mich
gut, aber nicht ganz.
Ganz heisst also
nicht ganz.
Vorschlag: in Zukunft
nicht mehr von grossen
Staatmännern zu sprechen,
sondern, wenn überhaupt,
nur noch von ganz grossen.«*
Wie nun Donald Trump
nicht ganz ohne Zweifel
ein grosser Staatsmann war,
dürfte Joe Biden ein
ganz grosser werden.
So würde, was Fried
vor einem halben
Jahrhundert für gut
befand, endlich
ganz gut.
Mit ihm
könnten wir demnach
ganz zufrieden sein –
______________________________________________
[*] vgl. Erich Fried: »Ganz«, in »Zur Zeit und zur Unzeit«, 1981
Zur Schriftstellerei
Der Schriftsteller
stellt die Schrift –
wie eine flüchtige Diebin.
Diebisch freut sie sich
schon darauf, ihre Beute
ihm zu überlassen:
Voilà! – Einmal mehr
ist er ihr
in die Falle gegangen.
Seltsame Schleife

Roman, 1. Auflage Mai 2014
736 Seiten – 22,0 x 13,5 cm, gebunden
ISBN 978-3-85869-584-0
»Worauf zielt es ab, dieses verfluchte Programm zwischen meinen Schläfen, das seine endlosen Schleifen dreht und sich immerzu fragt, was es weiß, was es gewusst hat, was es wissen kann und was das alles bedeutet?«
Weiterlesen
Lesung in Hersiwil
Der Autor und das DobleYo
Die Statuen des »Doppelten Ich«, Zeugnis einer indigenen Kultur aus dem ersten Jahrtausend nach Christus, wurden in der Umgebung von San Agustín, Kolumbien, gefunden und sind in der weiteren Umgebung des Dorfs in zwei Skulpturenparks zu sehen. Das »Doble Yo« wurde zur heimlichen Hauptfigur des Romans »Seltsame Schleife«, doch leibhaftig habe ich die Statue erst anderthalb Jahre nach Erscheinen des Buchs zum ersten Mal gesehen:
Essays, Kolumnen, Reportagen, Reden
Das Ende der Bescheidenheit: ein Beitrag zur Europäisierung der Schweiz und/oder zur Verschweizerung Europas im Journal 21 vom 10. 06. 2012.
Vom Recht der Dinge: «Wir sind nie modern gewesen», behauptete der französische Kulturhistoriker Bruno Latour schon Mitte der Achtziger Jahre. Ein Jahrzehnt später lieferte die Sexaffäre des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton die Illustration dazu: wie der vermeintlich moderne Mensch als zweifelhaftes Subjekt im Spannungsfeld von «Natur», «Gesetz» und «Politik» auf immer verlorenerem Posten steht – es sei denn, es gelinge ihm, sich für das Recht der Dinge einzusetzen, um sich mit ihnen zu verbünden.
Selbstverwaltung gegen Gewalt im Ghetto: Reportage (unveröffentlicht) über die Integration entwaffneter Jugendbanden in die kommunale Politik von Medellín, Kolumbien, zur Befriedung der Armenviertel, März 1993.
Ordnung&Chaos: Fünf Minuten für ein Bild, erschienen im Züricher Tages Anzeiger Magazin Nr. 33/ 1989
Blick auf ein blindes Bild: Fünf Minuten für ein Bild, erschienen im Züricher Tages Anzeiger Magazin Nr. 22/ 1989
La Virtud: Fünf Minuten für ein Bild, erschienen im Züricher Tages Anzeiger Magazin Nr. 22/ 1989
Zur Verteidigung von Peter Bichsels Plädoyer für Bestechlichkeit, abgedruckt in der Monatszeitschrift »Rote Revue«, Bd. 60 (1981), Nr. 3.
Rede zur politischen Bedeutung der genossenschaftlichen Selbstverwaltung, gehalten an der Jahresversammlung 1981 der Sozialistischen Kirchgenossen in Basel und abgedruckt in der Zeitschrift »Neue Wege« (Band 75, Heft 9).
Zur Physiologie des Imaginären von Stephanie Grob
Anlässlich der Vernissage einer Ausstellung der Basler Künstlerin Stephanie Grob im Kantonsspital Olten unter dem Titel: »…DIESES LEBEN…« am 22. September 2015 versuchte Rolf Niederhauser die Besucherinnen und Besucher in ein Zwiegespräch zwischen Malerei und Literatur zu entführen, ein Ping-Pong zwischen Bild und Sprache, dessen Verlauf Sie hier mitverfolgen können:
Autobiografie
Rrrr – .
Rrrr – .
Rrrrrr – .
Rrrrrr-oll–oll-oll-
oll–oll–olllll–
oll–oll–olllll–
rrrrrroll–oll-oll-
oll–oll–olllll–
oll–oll–olllll-
o!…
o…o…o…o
o…o….o…o
ollolloll-
ollololololol-
fff f f f f f f f
Sprachtrudelnder Erzähler im Spiegelkabinett
Unter diesem Titel präsentiert Astrid Kaminski den Roman »Seltsame Schleife« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. März 2015 und schreibt:
Die Konstruktion des Romans lässt einen aus dem Staunen nicht herauskommen. Ständige Aha-Erlebnisse, die es in sich haben – so etwa in der Mitte, wenn die zwei Erzählzeiten plötzlich aus verschiedenen Richtungen örtlich, in einer kolumbianischen Villa, zusammentreffen. Wie in einem raum-zeitlichen Spiegelkabinett eröffnet sich ein doppelter Blick auf den Protagonisten, einmal ohne den Abgrund, der sich in seiner Persönlichkeit aufgetan hat, und einmal mit.…
Die ganze Besprechung ist online hier nachzulesen…
25. Februar: »Reisebilder« in der Kunstsammlung Rüegg
Übersee – Reisebilder von Albert Rüegg
Blick in die Ferne… Die Ausstellung widmet sich Albert Rüeggs Reiseimpressionen von Transatlantik- Überquerungen in den 1960er Jahren. Was auf Deck in Skizzen und Aquarellen flüchtig festgehalten wurde, ist später im Atelier in neue Formen und Farben transformiert worden.
Einladung zur Vernissage: Mittwoch, 28. Januar 2015
Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg, Dufourstr. 160, 8008 Zürich
VERANSTALTUNGEN:
Lesung von Rolf Niederhauser
Mittwoch, 25. Februar 2015, 19.30 Uhr
Der solothurnische Schriftsteller Rolf Niederhauser liest aus seinem neuen Roman «Seltsame Schleife». Im fulminanten, kühn konstruierten Werk beschreibt der Autor eine Reise nach Südamerika – und zu sich selbst.
Mehr dazu auf dem Flyer
Grossartig verkehrt
Der »Literarische Monat« präsentiert den Roman »Seltsame Schleife« als Buch des Monats in Ausgabe 19, Dezember 2014:
Niederhausers Held erzählt seinen Trip in einem Rhythmus, der in Momenten höchster Lebenslust beinahe zur Melodie wird, jedoch auch etwas Radikales hat: Dörflinger ignoriert die Gesetze der Grossschreibung, verwendet haufenweise Anglizismen und spanische Ausdrücke. Diese Melange ist sprachgewordene Globalisierung
Lesen Sie, die ganze Besprechung von Alex Rickert (gebührenpflichtig)
Der Eiserne Vorhang, die Liebe und des Lesers Hirn
»Nach 20 Jahren Sendepause meldet sich Schriftsteller Rolf Niederhauser mit einem fulminanten Gesamtkunstwerk zurück, das Versatzstücke aus Road Novel, Wissenschaftsprosa und Philosophie kombiniert. Ein Ausflug ins Basellandschaftliche – und in unser aller Bewusstsein.«
Ein Interview im Schweizer Monat, November 2014
Beat Mazenauer: Reise um den Blinden Fleck
»Rolf Niederhauser legt, als Produkt von zwanzig Jahren Arbeit, ein ausserordentlich komplexes, zugleich subtil komponiertes und spannend lesbares Buch vor. Alles steckt da mit drin: Landschaften, Gefühle, Reflexionen, Politik, Wissenschaft und Zeitgeist der späten 1990er Jahre. Hinzu kommt eine behutsam erzählte, berührende Liebesgeschichte. Dörflinger begleitet Flor Marina in ein Dorf am Meer, um mit ihr von da aus zu Fuss über die Grenze nach Panama zu gelangen. Der Trip durch den unwegsamen Urwald ist nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. In Kolumbien agieren in jenen Jahren mehrere Guerillagruppen, zu einer von ihnen hat auch Flor Marina gehört. Mit ihrer Begleitung gelingt die Passage. Dabei kommen sie sich näher und gleichzeitig abhanden. Der blinde Fleck nistet sich zwischen ihnen ein.«
Hier die ganze Rezension in literaturkritik.de oder viceversaliterature.ch
6. November 2014, 20:00 – Lesung aus »Seltsame Schleife« im Bodman Haus in Gottlieben
Rolf Niederhausers neuer Roman Seltsame Schleife hat sehr gute Kritiken erfahren, das Buch ist zudem auf der Hotlist 2014 von Büchern unabhängiger Verlage. An der Frankfurter Buchmesse nimmt Niederhauser die Zuhörer mit auf die Reise von Pit Dörflinger.
Rolf Niederhauser liest im Bodman Haus im Rahmen des Literaturdonnerstags, moderiert wird die Lesung von Stefan Keller.
Bodman-Haus, Am Dorfplatz 1, 8274 Gottlieben. Tel.: +41 (0)71 669 34 80
www.bodmanhaus.ch
Dörflingers Geschichte
Die «seltsame Schleife» ist in Niederhausers Roman keine Spielerei. Sie ist der genaue Ausdruck einer schicksalshaften Lebensreise.
schreibt Samuel Moser in der Neuen Zürcher Zeitung. Seine Begründung ist hier nachzulesen.
Wenn der Tausendfüssler zu denken anfängt…
Wer sich für eine solch eigenwillige formale Konstruktion entscheidet, muss gute Gründe haben«, schreibt Alexander Sury im Zürcher »Tages Anzeiger« und im Berner »Bund«. »Der Protagonist bringt denn auch nach und nach Licht ins Dunkel seiner Lebensgeschichte und erzählt gleichzeitig die Geschichte der Entwicklung einer naturwissenschaftlichen Theorie des Bewusstseins, die darauf hinausläuft, dass der Roman die einzige angemessene Form einer solchen Theorie ist: als Roman eben in Form einer «seltsamen Schleife».
Forscher Dörflingers kolumbianische Lehrjahre
Mit Seltsame Schleife ist Niederhauser etwas Rares gelungen: Sinnlichkeit und Denklust gehen in diesem Roman eine Synthese ein. (…) Mit seinem anspruchsvollen, doch reichhaltigen und spannenden Roman präsentiert dieser Autor nach seinen Gesellenstücken nun mit 63 Jahren überraschend das Meisterstück.
Lesen Sie hier die ganze Rezension: © Basler Zeitung
»52 beste Bücher« auf SRF 2, 29. Juni 2014
Hans-Peter Kunisch, DIE ZEIT, 24. Juli 2014
1997 begann Niederhauser mit der Seltsamen Schleife. Der Mammutroman, der jetzt erschienen ist, hat, auch stilistisch, wenig mit deinem Debüt zu tun. (…) Oft lange, gut getaktetet Sätze erzeugen einen erzählerischen Sog. Sinnlich in den Urwaldschilderungen, geschliffen klar in den gedanklichen Partien – ob zu Fragen der Wahrnehmung, der Künstlichen Intelligenz oder politischer Debatten. (…) Ein tolles Buch. Strukturelle Innovation, und inhaltliche Dichte finden zusammmen. Man denkt an Max Frisch selig, an Stiller und Homo faber (…)
Hans-Peter Kunisch, DIE ZEIT, 24. Juli 2014
Lesen Sie hier den ganzen Bericht von Hans-Peter Kunisch