{"id":6,"date":"2014-11-01T17:45:14","date_gmt":"2014-11-01T17:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/rolfniederhauser.wordpress.com\/?page_id=1"},"modified":"2025-06-05T17:44:38","modified_gmt":"2025-06-05T15:44:38","slug":"lebenslauf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/lebenslauf\/","title":{"rendered":"VITA"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_170\" aria-describedby=\"caption-attachment-170\" style=\"width: 656px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/P4301217-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-170 size-large\" src=\"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/P4301217-1-1024x940.jpg\" alt=\"\" width=\"656\" height=\"602\" srcset=\"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/P4301217-1-1024x940.jpg 1024w, https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/P4301217-1-300x275.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-170\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Matthias Frey<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Z\u00fcrich 1951 geboren und in Biberist bei Solothurn aufgewachsen, ver\u00f6ffentlichte ich meinen ersten Roman mit dem Titel \u00bbZwei Trapper\u00ab in einer maschinengetippten und handgebundenen Auflage von einem Exemplar, das mir ein Mitsch\u00fcler im neunten Schuljahr f\u00fcr 5 Franken abkaufte. W\u00e4hrend meiner Lehre als Elektromonteur im Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Solothurn entstanden erste Gedichte, wovon eines 1967 in der Mode-Zeitschrift \u00bbAnnabelle\u00ab publiziert wurde, dazu Kurzgeschichten und mehrere Erz\u00e4hlungen, in denen ich mich an Hemingway und Hesse, Sartre und B\u00f6ll, Peter Weiss, Thomas Bernhard und anderen, die damals zur literarischen \u00bbAvantgarde \u00ab geh\u00f6rten, orientierte. Frisch, D\u00fcrrenmatt, Vogt, Marti und andere, die bewiesen, dass auch im schweizerischen \u00bbMittelland\u00ab Literatur entstehen kann, kamen sp\u00e4ter hinzu. Mit derselben Begeisterung las ich auch Bertrand Russell und Ernst Bloch. Daneben besprach ich Filme f\u00fcr die \u00bbSolothurner AZ\u00ab, und nach bestandener Lehrlingspr\u00fcfung legte ich der Werk-Direktion eine Sammlung mit Geschichten und \u00bbphilosophischen\u00ab Betrachtungen zu meiner Lehrzeit vor, die ich w\u00e4hrend der Arbeit auf Kosten des Betriebs mit Wachsmatrizen vervielf\u00e4ltigen und in 50 Exemplaren f\u00fcr die Mitarbeiter in der Werkstatt auflegen durfte. Einige davon sind zehn Jahre sp\u00e4ter in \u00fcberarbeiteter Form in \u00bbK\u00e4ltere Tage in sieben Bildern\u00ab bei Luchterhand erschienen.<\/p>\n<p>Denn mittlerweile hatte ich ja begonnen, Texte an Verlage zu schicken, von wo meist knappe, oft vorgedruckte Absagen zur\u00fcckkamen. Im Sommer 1970 erhielt ich allerdings einen Brief vom Suhrkamp-Verlag, in dem Thomas Beckermann als Lektor genau begr\u00fcndete, warum er von einer Publikation absehen m\u00fcsse, mich aber zum Weiterschreiben ermunterte. Das tat ich, w\u00e4hrend ich zwei Jahre zuerst im erlernten Beruf und dann als Korrektor bei der \u00bbSolothurner Zeitung\u00ab arbeitete. Ein Tagebuch aus dieser Zeit ist 1976 unter dem Titel \u00bbMann im \u00dcberkleid. Ein Rapport\u00ab erschienen. Im selben Jahr wurde ich Mitglied der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gruppe_Olten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gruppe Olten<\/a> \u2013 wie ich dreissig Jahre sp\u00e4ter, nach deren Fusion, auch dem Verband der <a href=\"http:\/\/www.a-d-s.ch\">Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS)<\/a> beitrat.<\/p>\n<p>Unterdessen war ich verheiratet und sogar Vater geworden, w\u00e4hrend ich mich im Fernkurs nebenher auf die Eidgen\u00f6ssische Maturit\u00e4tspr\u00fcfung vorbereitete, die ich 1975 in Bern und Basel absolvierte. <u>Doch<\/u> verbrachten wir diese Jahre in einer Wohngemeinschaft als Teil eines Kollektivs von dreissig Leuten, die in Solothurn die erste selbstverwaltete \u00bbWirtschaft\u00ab der Schweiz, die \u00bb<a href=\"http:\/\/www.kreuz-solothurn.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genossenschaft Kreuz<\/a>\u00ab gegr\u00fcndet hatte. Peilend zwischen Fiktion und Dokumentation verarbeitete ich diese Erfahrungen sp\u00e4ter im Roman \u00bbEin paar junge Leute haben es satt zu warten auf das Ende der blossen Vermutung dass es bessere Formen menschlicher Gemeinschaft gibt\u00ab. Er erschien 1978 im Luchterhand-Verlag, und im selben Jahr gr\u00fcndete ich zusammen mit Otto F. Walter, der kurz zuvor als Leiter dieses Verlags zur\u00fcckgetreten, mein Buch aber noch an diesen vermittelt hatte, und zwei Dutzend anderen Autorinnen, Autoren und Literaturinteressierten die <a href=\"http:\/\/www.literatur.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Solothurner Literaturtage<\/a>, deren Vorstand ich in den ersten zehn Jahren und dann wieder von 2014 bis 2023 angeh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend meines\u00a0Studiums der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Basel arbeitete ich als Autor und\u00a0freier\u00a0Journalist vor allem f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Z\u00fcrcher Tages Anzeiger<\/a>, f\u00fcr den ich auch regelm\u00e4ssig Kolumnen schrieb. Diese sind sp\u00e4ter zusammen mit Aphorismen, Tagebuchnotizen und Reden unter dem Titel \u00bbAlles Gute. Fussnoten zum Lauf der Dinge\u00ab erschienen. 1979 verfasste ich im Auftrag des Schweizer Fernsehens f\u00fcr eine Telearena zum <em>Jahr des Kindes<\/em> das Theaterst\u00fcck \u00bbSpiilruum\u00ab, das mit einer Schulklasse am Basler Theater uraufgef\u00fchrt wurde. Danach konnte ich ein gutes Jahrzehnt lang insofern vom Schreiben leben, als ich nicht nur B\u00fccher, Kolumnen und Reportagen verfasste, sondern (1984-88) die schweizerische Filmverbandszeitschrift \u00bb<a href=\"http:\/\/de.cinebulletin.ch\/site\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">cinebulletin<\/a>\u00ab redigierte. Mir imponierte die F\u00e4higkeit der Filmschaffenden, das Imagin\u00e4re mit dem Technischen zu verbinden und auch im Korsett \u00f6konomischer Zw\u00e4nge kreativ zu bleiben. Mir selber fiel es nie leicht, \u00bbdas wahre Reich der Freiheit\u00ab (Marx) auf dem \u00bbReich der Notwendigkeit als seiner Basis aufbl\u00fchn\u00ab zu lassen. Ein Essay zum Verh\u00e4ltnis von Bild und Sprache in der Zeitschrift \u00bbCinema\u00ab stammt ebenso aus dieser Zeit wie einige Beitr\u00e4ge zur Reihe \u00bb5 Minuten f\u00fcr ein Bild\u00ab im Magazin des Tages Anzeigers.<\/p>\n<p>1981 zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eingeladen, las ich die ersten Seiten eines Romans, der allerdings erst sieben Jahre sp\u00e4ter unter dem Titel \u00bbNada oder die Frage eines Augenblicks\u00ab erschien. So lange brauchte ich offenbar, um eine literarische Antwort formulieren zu k\u00f6nnen auf Fragen, mit denen ich durch Trennung, Scheidung, Vaterschaft und andere Beziehungsturbulenzen konfrontiert worden war. Die Publikation des Buchs hatte 1989 eine neuerliche Einladung nach Klagenfurt zu Folge, wo ich wiederum einen Romananfang vortrug, der kurz zuvor w\u00e4hrend eines Aufenthalts als Gastautor in Amsterdam entstanden war. Ich hatte im Sommer davor mehrere Monate lang zum ersten Mal S\u00fcdamerika bereist und war Ende August auf den Gal\u00e1pagos-Inseln gewesen, als in El Salvador <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1989\/03\/tod-im-maisfeld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">J\u00fcrg Weis<\/a> ermordet wurde, der in Basel zu meinem Freundeskreis geh\u00f6rt hatte. Der Versuch, seine Geschichte und mein Entsetzen \u00fcber seinen Tod erz\u00e4hlerisch zu verarbeiten, scheiterte allerdings am erdr\u00fcckenden \u00dcbergewicht der Fakten. Aber auch ein anderes Projekt mit dem Arbeitstitel \u00bbDer Geschichtenmacher\u00ab, angelegt als spielerischer Auftakt in die Neunziger Jahre, die nicht nur den Abschluss eines Jahrhunderts, sondern eines ganzen Jahrtausends einl\u00e4uteten, f\u00fchrte mich an die Grenzen meiner literarischen Spannkraft als Verm\u00f6gen, Imagin\u00e4res und Reales zu einer lebendigen Vorstellung zu verweben.<\/p>\n<p>War es Zufall, dass die Schaffenskrise mit einer historischen Stunde Null zusammentraf? \u00dcber Nacht jedenfalls war die Berliner Mauer gefallen, unversehens schien der Kalte Krieg zu Ende, und mit seinen Schrecken und Katastrophenszenarien verloren auch alle daraus erwachsenen Utopien ihre Anziehungskraft. Doch mehr noch als das Verschwinden \u00fcberf\u00e4lliger Ordnungsmuster und Denkgewohnheiten, war es der euphorische Aufbruch ins Jahrzehnt der Globalisierung mit ihren buchst\u00e4blich grenzenlosen M\u00f6glichkeiten, was mich veranlasste, \u00fcber die B\u00fccher zu gehen, um vieles von Grund auf neu zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>1990 war ich in Diriomo, Nicaragua, im Rahmen der <em>St\u00e4dtepartnerschaft Solothurn-Diriomo<\/em> mit Freunden dabei, ein Schulhaus und ein Jugendzentrum mit elektrischem Licht zu versehen, damit auch abends Kurse f\u00fcr Erwachsene stattfinden und n\u00e4chtliche Partys gefeiert werden konnten, als die Sandinisten v\u00f6llig unerwartet die Wahlen verloren \u2013 die ersten freien Wahlen in der Geschichte dieses Landes \u00fcberhaupt, die sie selbst in die Wege geleitet hatten, um die Legitimit\u00e4t ihres F\u00fchrungsanspruchs vor aller Welt unter Beweis zu stellen! Im Auftrag des \u00bbTages Anzeiger Magazins\u00ab erarbeitete ich eine Reportage, die sp\u00e4ter zusammen mit Notizen von einer fr\u00fcheren Reise (1988) und erg\u00e4nzt durch historische Exkurse und analytische Schlussfolgerungen unter dem Titel \u00bbTagebuch Nicaragua. Requiem f\u00fcr eine Revolution\u00ab in Buchform erschien. Ebenfalls f\u00fcr das \u00bbTages Anzeiger Magazin\u00ab verfasste ich im Fr\u00fchjahr darauf einen Beitrag zum achtzigsten Geburtstag von Max Frisch, der in der zweiten M\u00e4rzwoche unter dem Titel \u00bbMax Frisch oder die Architektur des wirklichen Lebens\u00ab allerdings nur noch als Nachruf erscheinen konnte, weil der Geehrte meine Laudatio zwar noch gelesen und sich dar\u00fcber sehr gefreut, aber deren Publikation nicht mehr erlebt hatte. Mit seinem Tod ging auch jene ganze Epoche zu Ende, die nicht nur vom Kalten Krieg, sondern mindestens so sehr vom Denken jener Intellektuellen gepr\u00e4gt war, die unerm\u00fcdlich versucht hatten, zwischen den Fronten zu vermitteln und Perspektiven zu er\u00f6ffnen, die dar\u00fcber hinaus wiesen. \u00bbDie chinesische Mauer\u00ab war eines der fr\u00fchesten Theaterst\u00fccke von Max Frisch gewesen, 1946 in Z\u00fcrich uraufgef\u00fchrt, \u00bbeine Farce\u00ab, die vor der ideologischen Erstarrung gewarnt hatte, und der Fall der <em>Berliner Mauer<\/em> ein Jahr vor seinem Tod markierte ebenso real wie symbolisch den historischen Endpunkt des grossen\u00a0 Bogens seines literarischen Schaffens. Im Herbst darauf erhielt ich selbst eine erste Gelegenheit, in das von der Mauer befreite Berlin zu reisen, nachdem Norbert Schaeffer f\u00fcr den WDR mein H\u00f6rspiel \u00bbDer Kindernarr\u00ab produziert hatte. Basierend auf einer Geschichte aus \u00bbNada oder die Frage eines Augenblicks\u00ab, wurde die Produktion zum Berliner H\u00f6rspielwettbewerb eingeladen, und sie blieb f\u00fcr lange Zeit meine letzte literarische Publikation.<\/p>\n<p>Mittlerweile waren die Journalisten auch in der Schweiz dazu \u00fcbergegangen, nicht mehr Artikel, Reportagen oder Kommentare zu schreiben, sondern \u00bbGeschichten\u00ab. Das \u00bbNarrativ\u00ab war pl\u00f6tzlich omnipr\u00e4sent, mit der paradoxen Folge, dass der Platz f\u00fcr Beitr\u00e4ge von Schriftstellerinnen oder Schriftstellern in Zeitungen und Magazinen knapp wurde, da es immer mehr Journalistinnen und Journalisten gab, w\u00e4hrend Zeitungen und Zeitschriften immer d\u00fcnner und zu \u00bbPrint-Medien\u00ab degradiert wurden. Denn \u00bbKommunikation\u00ab, vornehmlich audiovisuelle, war in der \u00bbMedien-Landschaft\u00ab gefragter als literarische Nachdenklichkeit. <em>Das Wort<\/em> musste seinen Ehrenplatz an <em>die Information<\/em> abtreten, Digitalisierung und Globalisierung bestimmten das Programm der Stunde.<\/p>\n<p>Vor dem Horizont dieses historischen Umbruchs nahm ich 1991 den Auftrag an, parallel zum Theaterfestival \u00bbWelt in Basel\u00ab eine Studienwoche zu organisieren, die fortan alle zwei Jahre stattfinden und jeweils tausend Jugendliche aus Ober- und Mittelschulen mit Berufsleuten aller Art in Kontakt bringen sollten, die ihnen neue Technologien, fremde Kulturen, sozial-\u00f6kologische Probleme und Projekte vermittelten: praxisnahe Einblicke in die komplexen Herausforderungen der Zeit an der Schwelle eines neuen Jahrtausends. Parallel dazu, auch inspiriert durch Stephen Levys <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Artificial-Life-Quest-New-Creation\/dp\/067940774X\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbArtificial Life: The Quest for a New Creation\u00ab<\/a>, war ein neues Romanprojekt wie Ph\u00f6nix aus der Asche des \u00bbGeschichtenmachers\u00ab hervorgegangen. Jener hatte von einem Protagonisten gehandelt, der auf der Basis einer elementaren Programmiersprache versucht, biologische Vorg\u00e4nge aller Art im Computer zu simulieren \u2013 ein h\u00f6chst utopisches Vorhaben, wie mir zu der Zeit noch schien. Nun aber er\u00f6ffnete mir Stephen Levys Buch, dass in den Jahren zuvor tats\u00e4chlich an mehreren Universit\u00e4ten der Welt ein neuer Forschungsszweig entstanden war, der genau dieses Programm verfolgte, das ich eigens f\u00fcr meinen Erz\u00e4hler erfunden zu haben glaubte. Was mich an der Sache faszinierte: lebens\u00e4hnliche Vorg\u00e4nge mithilfe von Sprache zu \u00bbsimulieren\u00ab, Programmiersprache oder Sprache schlechthin, das versuchen Poesie und Bellestristik schon seit Jahrhunderten. War die Wissenschaft \u2013 nota bene an der Schnittstelle von Geistes- und Naturwissenschaften, Mathematik, Linguistik und Informatik \u2013 in diesem neuen Forschungsbereich also dabei, mit der Dichtung in Konkurrenz zu treten? Und sollte das nicht zum Anlass genommen werden, das Verh\u00e4ltnis von Programmiersprache und erz\u00e4hlender respektive poetischer Sprache pr\u00e4ziser zu bestimmen?<\/p>\n<p>Diese Fragen konkretisierten sich beim Studium von Humberto Maturanas <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Baum_der_Erkenntnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schriften<\/a> zur <em>Autopoiesis<\/em> als Organisationsprinzip \u00bblebender Systeme\u00ab und zur <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/biologie_der_realitaet-humberto_r_maturana_29102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Biologie der Sprache<\/a>. Auch <a href=\"http:\/\/cogs.indiana.edu\/people\/profile.php?u=dughof\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Douglas Hofstadter<\/a> stand mit seinem Buch \u00bbG\u00f6del, Escher, Bach\u00ab meinem neuen Vorhaben Pate und verlieh ihm den Arbeitstitel \u00bbSeltsame Schleife\u00ab, bevor mich eigene Nachforschungen ans <a href=\"http:\/\/web.mit.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">M.I.T.<\/a> in Cambridge, Massachusetts und an das <a href=\"http:\/\/www.santafe.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Santa Fe Institute<\/a> in New Mexico f\u00fchrten. Entscheidende Einsichten in die theoretischen Grundlagen dieser Forschung verdanke ich <a href=\"http:\/\/ase.tufts.edu\/cogstud\/dennett\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Daniel C. Dennett<\/a> (Kinds of Minds, Freedom Evolves), und zwar selbst dort, wo etwa seine Rede vom \u00bbpure reasoning muscle\u00ab zeigt, dass er von Kants \u00bbKritik der reinen Vernunft\u00ab nicht einmal den Titel verstanden hat, vom Inhalt ganz zu schweigen. Doch gerade die Grenzen von Dennetts handfester \u00bbTheorie des Bewusstseins\u00ab machen deutlich, wo eine substanzielle Vermittlung von Kognitionswissenschaften und Transzendentalphilosophie anzusetzen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Erm\u00f6glicht wurde mir die intensive Erkundung dieser Wissensgebiete durch Einladungen als \u00bbWriter in Residence\u00ab 1992 ans Allegheny College in Meadville, Pennsylvania, (<a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/3194843\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier ein Interview<\/a> aus der Zeit) und 1996 ans Middlebury College in Vermont. Dazwischen arbeitete ich als Kulturkorrespondent des Z\u00fcrcher \u00bbTages Anzeigers\u00ab in New York, und\u00a0 im Auftrag des Wirtschaftsmagazins \u00bbBilanz\u00ab recherchierte ich im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet zum Freihandelsabkommen NAFTA, das Bill Clinton nach seinem Wahlsieg im November \u201992 mit Kanada und Mexiko anstrebte und zwei Jahre sp\u00e4ter unterzeichnete. Leider fiel mein Beitrag einer redaktionellen Konzept\u00e4nderung zum Opfer und blieb ebenso unver\u00f6ffentlicht wie im Jahr darauf eine Reportage \u00fcber die Entwaffnung und politische Integration von Jugendbanden in Medell\u00edn, die nach der Zerschlagung des Drogenkartells von Pablo Escobar helfen sollte, die Armenviertel der Stadt zu befrieden. Einblick in dieses Projekt hatte ich w\u00e4hrend meiner ersten Kolumbienreise eher zuf\u00e4llig erhalten, da ich Freunde in Bogot\u00e1 und Medell\u00edn besuchte und eine Bekannte in dieses Projekt involviert war. Erst Jahre sp\u00e4ter erwies sich indes auch dieser Text als eine von zahlreichen Vorarbeiten zum Roman, den ich im Winter 1996 in New York zu schreiben begann. Im Zentrum stand nun ein \u00bbResearch Assistant\u00ab, der am M.I.T. beim Bau des humanoiden Roboters <a href=\"http:\/\/www.ai.mit.edu\/projects\/humanoid-robotics-group\/cog\/cog.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Cog<\/a> mitwirkte, um die biologischen Grundlagen von Wahrnehmung und Bewusstsein zu rekonstruieren, bevor er auf einer Odyssee quer durch den amerikanischen Kontinent nach Kolumbien und in die Untiefen seiner Kindheit verschlagen wird.<\/p>\n<p>Verbunden mit den letzten Studienwochen \u00bbWelt in Basel\u00ab 1999 und 2001 leitete ich dann allerdings bis 2005 das universit\u00e4re Forschungsprojekt \u00bbwww.mal.ch \u2013 ein Marktplatz f\u00fcr au\u00dferschulisches Lernen\u00ab, das die zehnj\u00e4hrigen Erfahrungen jener Studienwochen evaluierte und ein Internetportal zum Austausch von Schule, Wirtschaft und Gesellschaft einrichtete, damit Lernorte und Kontaktpersonen au\u00dferhalb der Schule vermehrt in den Unterricht einbezogen werden konnten. Dieses Engagement brachte mir auch das einzige politische Amt ein, das ich je versehen habe: zw\u00f6lf Jahre lang sa\u00df ich als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei in der Schulkommission eines Basler Gymnasiums. Zum Schreiben kam ich umso weniger, als mich das Forschungsprojekt zur intensiven Auseinandersetzung mit den Grundlagen inter- und transdisziplin\u00e4rer Wissensproduktion und -vermittlung n\u00f6tigte, insbesondere mit der Geschichte und Theorie jener \u00bbsoziotechnischer Netzwerke\u00ab, die <a href=\"http:\/\/www.bruno-latour.fr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bruno Latour<\/a> seit Jahren erforschte und propagierte, um die \u00bb<a href=\"http:\/\/modesofexistence.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Modernisierung des Planeten<\/a>\u00ab auf eine sozial-\u00f6kologische Basis zu stellen. Einen Beitrag zu seinem Konzept <a href=\"http:\/\/www.kommunikation.uzh.ch\/static\/unimagazin\/archiv\/4-98\/dinge.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vom Recht der Dinge<\/a> hatte ich bereits 1998 im Z\u00fcrcher Unimagazin publiziert. Mit Latours Perspektivenwechsel gewann das lange diskreditierte utopische Denken unverhofft neuen Boden, n\u00e4mlich einen, auf dem postmodern kritisches Denken sich nicht in endlosem Dekonstruktivismus verliert, sondern konstruktiv bleiben darf, sofern sich unsere Vorstellungen nirgends im rein Imagin\u00e4ren verirren und verfangen. Dazu aber m\u00fcssen wir Formen entwickeln, die uns erlauben, all jene \u00bbstummen Dinge\u00ab zu befragen, die eben aufgrund ihrer Stummheit nicht l\u00fcgen, sehr wohl aber durch ihr Verhalten bezeugen k\u00f6nnen, ob unsere Vorstellungen und Konstrukte stimmig und lebendig sind oder nicht. Hat nicht eben deshalb schon Hugo von Hofmannsthal versucht, sie in den Zeugenstand zu rufen? Jedenfalls war das derselbe Boden, auf dem nun auch die Arbeit an meinem Roman zusehends gedieh. Denn diese \u00bbstummen Dinge\u00ab, ob wir sie nun im Labor beobachten oder irgendwo draussen in der Welt: sind sie nicht letztlich in uns selbst? Liegt ihre Wahrheit nicht in den tiefsten Gr\u00fcnden der menschlichen Wahrnehmung als Selbstwahrnehmung? In der Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung meines \u00bbResearch Assistant\u00ab zum Beispiel, der versucht, anhand eines Roboters die elementaren Prinzipien dieser menschlichen Wahrnehmung zu rekonstruieren und zu erforschen? Um diese Frage in Form eines Romans konkretisieren und beantworten zu k\u00f6nnen, sah ich mich allerdings gen\u00f6tigt, eine unendliche Reihe von technischen und philosophischen Details so grundlegend zu kl\u00e4ren, dass dar\u00fcber noch weitere acht Jahre vergehen sollten, bis die \u00bbSeltsame Schleife\u00ab im Fr\u00fchjahr 2014 erscheinen konnte.<\/p>\n<p>P. S. Seit 1976 Mitglied der schweizerischen Urheberrechts-Genossenschaft f\u00fcr Literatur und bildende Kunst, <a href=\"http:\/\/prolitteris.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ProLitteris,<\/a> habe ich von 1995 bis 2020 dem Stiftungsrat der <a href=\"http:\/\/prolitteris.ch\/engagement\/sozialleistungen-fursorge-stiftung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">F\u00fcrsorgestiftung<\/a> angeh\u00f6rt und diesen zehn Jahre lang auch pr\u00e4sidiert.<\/p>\n<div id=\"block-dca5c4ae16178b7d8e9f\" class=\"sqs-block horizontalrule-block sqs-block-horizontalrule\">\n<div class=\"sqs-block-content\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"block-yui_3_17_2_44_1414847870026_11821\" class=\"sqs-block html-block sqs-block-html\">\n<div id=\"yui_3_17_2_3_1414865324026_1472\" class=\"sqs-block-content\">\n<h2>Auszeichnungen<\/h2>\n<ul>\n<li>1977 Werkjahr des Kantons Solothurn<\/li>\n<li>1987 Anerkennungsgabe der Stadt Z\u00fcrich f\u00fcr \u00bbAlles Gute\u00ab<\/li>\n<li>1988 Werkjahr der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia<\/li>\n<li>1988 Werkpreis des Kantons Solothurn<\/li>\n<li>1989 Preis der Neuen Literarischen Gesellschaft Hamburg;<\/li>\n<li>1989\u00a0Buchpreis des Kantons Bern<\/li>\n<li>1992\u00a0Writer-in-Residence\u00a0am\u00a0Allegheny College\u00a0in\u00a0Meadville\/Pennsylvania<\/li>\n<li>1997 Writer-in-Residence an der Summer University in\u00a0Middlebury, Vermont<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Werke<\/h2>\n<ul>\n<li><em>Mann im \u00dcberkleid<\/em>, Frauenfeld, 1976<\/li>\n<li><em>Ein paar junge Leute haben es satt zu warten auf das Ende der blo\u00dfen Vermutung, da\u00df es bessere Formen menschlicher Gemeinschaft gibt<\/em>, Darmstadt, 1978.<\/li>\n<li><em>K\u00e4ltere Tage in sieben Bildern<\/em>, Darmstadt, 1980<\/li>\n<li><em>Alles Gute<\/em>, Darmstadt, 1987<\/li>\n<li><em>Nada oder Die Frage eines Augenblicks<\/em>, Darmstadt 1988<\/li>\n<li><em>Requiem f\u00fcr eine Revolution, Tagebuch Nicaragua.<\/em>\u00a0Darmstadt\u00a01990<\/li>\n<li><em>Wenn der Alltag Schule macht<\/em>, Basel 1992 (zusammen mit Peter Bichsel)<\/li>\n<li><em>Seltsame Schleife<\/em>. Rotpunktverlag, Z\u00fcrich 2014.\u00a0ISBN 978-3-85869-628-1<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Herausgeberschaft<\/h2>\n<ul id=\"yui_3_17_2_3_1414865324026_1471\">\n<li><em>Geschichten aus der Geschichte der Deutschschweiz nach 1945<\/em>, Darmstadt u.a. 1983 (zusammen mit Martin Zingg)<\/li>\n<li>Max Frisch:\u00a0<em>&#8220;Ich stelle mir vor&#8221;<\/em>, Frankfurt am Main 1995<\/li>\n<li id=\"yui_3_17_2_3_1414865324026_1470\"><em>Lernen au\u00dferhalb der Schule<\/em>, Bern u.a. 2004 (zusammen mit Heinz Rhyn<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Z\u00fcrich 1951 geboren und in Biberist bei Solothurn aufgewachsen, ver\u00f6ffentlichte ich meinen ersten Roman mit dem Titel \u00bbZwei Trapper\u00ab in einer maschinengetippten und handgebundenen Auflage von einem Exemplar, das mir ein Mitsch\u00fcler im neunten Schuljahr f\u00fcr 5 Franken abkaufte. W\u00e4hrend meiner Lehre als Elektromonteur im Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Solothurn entstanden erste Gedichte, wovon eines [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":571,"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6\/revisions\/571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rolfniederhauser.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}